Der Multiple Benachteiligungsindex (MBI) ist ein statistisches Werkzeug zur Messung von sozialer
Benachteiligung auf verschiedenen Dimensionen und wird häufig im schulischen Kontext verwendet, um die
sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen rund um Schulen zu bewerten. Der MBI integriert mehrere Indikatoren,
um ein umfassendes Bild der Benachteiligung zu liefern.
Internationale Relevanz: Der MBI ist international
bekannt und wird insbesondere in Großbritannien als „Multiple Deprivation Index“ (MDI) verwendet. Er dient dort als
wichtiges Instrument zur Analyse sozialer Benachteiligung und zur Planung von Unterstützungsmaßnahmen.
Indikatoren:
Der MBI wird durch die Kombination und Gewichtung mehrerer Indikatoren berechnet:
- Arbeitslosenquote
- Kaufkraft pro Haushalt
- Anteil von Haushalten mit bestimmten Wohnungstypen
- Überwiegend nicht-deutsch gesprochene Familiensprache
- Bildungsabschlüssen
Standardisierung und Gewichtung: Jeder Indikator wird zunächst standardisiert, um die Werte auf eine
vergleichbare Skala zu bringen. Dies erfolgt durch die Berechnung der Z-Scores, bei denen jeder Wert in Bezug auf den
Mittelwert und die Standardabweichung der Daten normalisiert wird.
Erklärung der Z-Standardisierung: Die Z-Standardisierung dient dazu, Rohwerte in vergleichbare Maße zu transformieren. Die Berechnung erfolgt in folgenden Schritten:
- Berechnung des Mittelwerts (Durchschnitt): Der Mittelwert eines Indikators wird berechnet, um den Durchschnittswert aller Messungen dieses Indikators zu bestimmen.
- Berechnung der Standardabweichung: Die Standardabweichung zeigt, wie stark die Werte um den Mittelwert streuen.
- Berechnung des Z-Scores: Der Z-Score wird durch die Differenz zwischen einem Wert und dem Mittelwert, geteilt durch die Standardabweichung berechnet:
Z = (X - μ) / σ
wobei X der Einzelwert, μ der Mittelwert und σ die Standardabweichung ist.
Durch diese Standardisierung werden alle Indikatoren auf eine vergleichbare Skala gebracht, was eine integrierte Bewertung der verschiedenen Dimensionen ermöglicht.
Die standardisierten Werte werden dann zusammengefasst und gewichtet, um die Dimensionen zu berechnen. Diese Dimensionen repräsentieren verschiedene Aspekte der Benachteiligung,
wie zum Beispiel finanzielle Lage, soziale Bedarfe, Bildungsniveau und der überwiegend im Haushalt gesprochenen Sprache.
Der MBI wird schließlich durch die Zusammenfassung dieser gewichteten Dimensionen berechnet und auf eine Skala von
0 bis 10 normalisiert. Diese Normalisierung ermöglicht eine vereinheitlichte Bewertung der Benachteiligung, die vergleichbar und verständlich ist.
Diese umfassende Berechnung und Normalisierung des MBI hilft dabei, eine klare und vergleichbare Darstellung der sozialen Benachteiligung in verschiedenen Schulgebieten zu erhalten.
Literaturhinweise:
Für ein vertieftes Verständnis des MBI können folgende Quellen hilfreich sein:
- Noble, M., Wright, G., Smith, G., & Dibben, C. (2006). "Measuring Multiple Deprivation at the Small-Area Level." Environment and Planning A, 38(1), 169-185.
- Smith, N., & Middleton, S. (2007). "A Review of Poverty Dynamics Research in the UK." Joseph Rowntree Foundation.
- Department for Communities and Local Government (2011). "The English Indices of Deprivation 2010." Department for Communities and Local Government.
- Levitas, R., Pantazis, C., Fahmy, E., Gordon, D., Lloyd, E., & Patsios, D. (2007). "The Multi-Dimensional Analysis of Social Exclusion." Department of Sociology and School for Social Policy, University of Bristol.